Besuch aus Namibia

Interview mit Rev. Petrus S.M. Kooper

Im November des vergangenen Jahres war eine Delegation der AMEC (African Methodist Episcopal Church) aus Namibia zu Besuch bei dem Partner-Kirchenkreis Gladbach. Reverend S.M. Kooper, Pfarrer der Gemeinde Immanuel in Hoachanas und zugleich Gemeindeältester / Stammesführer der Volksgruppe der dort lebenden Namas, war Gast in unserer Gemeinde.

Mr. Kooper, können Sie uns bitte etwas über Ihre Heimatstadt und Ihre Kirche berichten?

Rev. Kooper: Als erstes möchte ich herzliche christliche Grüße von meinen Brüdern und Schwestern der Immanuel A.M.E. Church in Hoachanas und auch von der ganzen Gemeinde Hoachanas ausrichten. Hoachanas ist eine sehr kleine, aber Jahrhunderte alte Siedlung. Sie wurde im 16. Jahrhundert durch die Namas entdeckt, deren Nachkommen noch heute hier leben, und als ihr unveräußerliches Erbe ansehen. Heute leben da ca. 2500 Einwohner. Es gibt drei protestantische Kirchen und eine kleine katholische Kirche mit einer geringen Mitgliederzahl.
Die Gemeinde der Immanuel-Kirche hat über 400 Mitglieder. Der örtliche Pastor ist das Oberhaupt der örtlichen Kirche. Der Kirchenbeirat (Church Board), was Ihrem Presbyterium entspricht, ist der Kopf der örtlichen Kirche, der sich aus gewählten Vorsitzenden folgender Gruppen zusammensetzt: Frauenhilfe, Jugendarbeit, Kirchenchor, Sonntagsschule, Vorbeter und soziale Dienste. Hinzu kommen Verwalter der Teilgruppen, die in den verschiedenen Wohngebieten feste Gemeinschaften bilden.
Der Pastor legt das Budget der Kirche fest, das von dem Kirchenbeirat abgesegnet werden muss. Der Pastor ist der Kopf aller genannten Gruppen, die jedoch selbständig ihren jeweiligen Vorsitzenden wählen. Der Gemeindeälteste ist der Kopf des Distrikts.

Welches sind Ihre Aufgaben als Chief of the Namas (Stammesführer)?

Rev. Kooper: Der Anführer einer traditionellen Gemeinde sollte der Hüter der Gewohnheitsrechte der Gemeinde sein, sollte die Kultur, Sprache und Tradition der Gemeinschaft aufrechterhalten, unterstützen und schützen, sollte die Kulturstätten, Kunstwerke und literarischen Werke der Gemeinschaft erhalten.
Er sollte mit der Regierung, den Ländern und Gemeinden kooperieren, deren Politik befolgen und seine Gemeindemitglieder über Entwicklungsprojekte in deren Gebiet informieren.
Er sollte traditionelle Zeremonien mit der Gemeinde abhalten und als Schlichter bei Streitfällen wirken.

Sie sind mit einer Delegation der AMEC zu Besuch in unserem Kirchenkreis. Können Sie uns etwas über die AMEC erzählen?

Rev. Kooper: Die Immanuel A.M.E. Church hat eine Partnerschaft mit der ev. luth. Kirche in Deutschland. Das Ziel ist, sich gegenseitig spirituell mit Projekten zu unterstützen. Außerdem soll ein Konzept erstellt werden, das zu einer Versöhnung zwischen den beiden Konfessionen hin zu einer Einheit der protestantischen Kirche führen kann. Das Motto unserer Kirche lautet: Gott unser Vater; Christus unser Erlöser; der Mensch unser Bruder. Christus hat die Wände der Trennung eingerissen, also müssen wir uns als Brüder und Schwestern akzeptieren, selbst wenn wir verschiedene Auffassungen verfolgen.

Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Deutschland gekommen?

Rev. Kooper: Meine Erwartungen an diesen Besuch waren, dass ich viele Menschen beim Gottesdienst sehen würde und dass der christliche Geist im Rheinland sehr groß sein müsste, da alle Missionare aus dem Rheinland immer sehr streng waren und von allen Gemeindemitgliedern hier sehr respektiert wurden. Die Jugend fehlt beim Gottesdienst, auch wenn sie Gemeindemitglieder sind.

Können Sie uns Ihre wichtigsten Eindrücke hier schildern?

Rev. Kooper: Die Geschichte der Kirche lebt. Die Pastoren arbeiten hart. Die Kirchen sind sehr gut organisiert, gut ausgestattet und werden jedem Bereich der Kirche gerecht: vom Kindergarten angefangen, über die Jugendarbeit, Frauenhilfe etc. Die Orgel, das Klavier, andere Musikinstrumente, Chöre und Büroausstattung. Die Freundlichkeit der Leute in der Kirche und die Gastfreundlichkeit der Familien, bei denen ich wohnte, sind alles Dinge, die mein Herz mit Freude und Glück erfüllten. Die Wirtschaft ist sehr stabil und das Land ist viel zu weit entwickelt.

Was können wir für eine gute Beziehung zwischen Ihrer und unserer Gemeinde tun?

Rev. Kooper: Da wir nur eine sehr, sehr arme Gemeinde sind, möchte ich Sie bitten, uns in Ihre Gebete einzuschließen, um über die Armut hinwegzukommen. Wir würden uns freuen, wenn Ihre Gemeinde die unsere finanziell unterstützt, um Projekte wie den erst kürzlich aufgebauten Gospelchor aufrechtzuerhalten. Helfen Sie ihnen, die notwendigen Musikinstrumente zu erlangen.
Wir beten, dass Liebe und immerwährender Friede und Freundschaft zwischen uns weiterwachsen. Gott schütze Sie alle. (Ephisian, Kap. 2.4) Frohe Weihnachten und ein erfolgreiches neues Jahr 2001. Vielen Dank Rev. Parpart für alles, was Sie für uns getan haben.

Das Interview führten