Lisa, gib nicht auf! So war es auf die kleine Mauer hinter dem Krankenhaus gesprüht. Weiß auf grauem Asphalt. Lisa, gib nicht auf! Hier gehen die Patienten spazieren, wenn sie an sonnigen Tagen das Krankenhaus verlassen. Hier sind die Wege in den schattigen Wald, in dem viele Kranke ein Stück Geborgenheit jenseits des Krankenbettes suchen. Und ich weiß Lisa ist eine von ihnen.
Tief in ihrem Herzen findet ein Kampf statt und viele kämpfen so, Tag für Tag. Der Kampf mit der Versuchung: Ich gebe auf. Es hat ja doch alles keinen Sinn. Es gibt keinen Ausweg. Manch einer verliert den Kampf. Seit ich bei der Ökumenischen Notfallseelsorge Neuss mitarbeite, ist mir das sehr bewusst.
Menschen geben auf, weil das Leben ihnen so viel zumutet, dass sie keinen Ausweg mehr erkennen können.
Und manchmal scheint es ihn auf den ersten Blick auch wirklich nicht zu geben. Wie gut ist es, wenn dann ein anderer für uns kämpft und wir spüren: Ich darf mich nicht aufgeben, weil ein anderer mich nicht aufgibt.
Nicht immer ist ein Mensch da, der die Kraft hat, an unserer Seite für uns zu kämpfen. Deswegen müssen wir auch in uns selbst die Kraft finden, die trotz aller bedrohlichen Erfahrungen Leben erhofft, weil sie weiß: Ich bin nicht aufgegeben.
Solche Kraft können wir auf verschiedene Weise finden: In guten Erfahrungen mit anderen Menschen, in der Natur, in einem Buch. Solche Kraft kann auch kommen aus dem einem Wort wie dem aus dem Neuen Testament: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine großes Belohnung hat (Hebr. 10, 35). So schreibt ein Christ an seine Freunde und erinnert sie daran: Auch wenn ihr es gerade nicht merkt: Gott hat euch nicht aufgegeben.
Manchmal, wenn ich auf eine schwere Wegstrecke meines Lebens zurückblicke, weiß ich selbst nicht, wie ich es damals geschafft habe. Irgendwie bin ich hindurchgetragen worden und darauf hoffe ich immer wieder neu. Ich erfahre: Gott hat viele Möglichkeiten, die Hoffnungslosigkeit zu wandeln. Dazu braucht es viel Geduld und das Wissen um die eigenen Grenzen. Und es braucht Augen, die ihn auch auf den Umwegen unseres Lebens entdecken.
Lisa, gib nicht auf! wieviel liebevolle Kraft steckt in der weißen Schrift auf grauem Asphalt, die einer Frau auf ihren täglichen Spaziergängen zuruft: Ich gebe Dich nicht auf! Und wie viele fremde Menschen gehen vorüber, lesen den Ruf, und er bleibt an ihnen hängen wie an mir und vielleicht an Ihnen.