|
Januar / Februar 2003
Titelthema Serie: Glaubensbekenntnis Ökum. Kirchentag 2003 Gebet für unsere Kinder Interview mit Josef Mertens Jugendfreizeit 2003 Haus der Stille Jugend- und Sozialwerk Projektunternehmung Nias Für junge Leute Leserbrief Singt dem Herrn Einladende Gemeinde Rückblick Kreissynode Konfis zu Besuch in St. Peter Herbstferienprogramm Gemeindetag Nievenheim Eingesperrt Stand: 15.12.2002
|
EingesperrtVon Orgelstunden und verschlossenen TürenEs war im Jahre 1945 in Schlesien, meiner Heimat. Wir lebten ohne Zeitungen, ohne Radio, ohne Geld; sogar ohne Pfarrer und ohne Organisten. Ein arbeitsloser Lehrer, (deutscher Schulunterricht war unter der polnischen Besatzung verboten), hielt Gottesdienste, taufte Kinder und beerdigte die Toten.
Nun war es draußen schon recht dämmrig geworden, und nach Einbruch der Dunkelheit durfte sich draußen niemand mehr aufhalten, besonders kein Deutscher. Der Lichtschalter für die Orgelempore befand sich eben dort oben. Ich tastete mich in der dunklen Kirche nach unten und stand vor der verschlossenen Tür. Was nun? Ich versuchte auf der unteren Empore an ein kleines Fenster zu kommen, das in der Butzenscheibe eines großen Fensters zu öffnen war. Ich konnte es aber nicht erreichen, es war zu hoch. Aber auf der anderen Seite standen ja Bänke unter den Fenstern. Dort gelang es mir die Luke zu öffnen. Ob aber dort an der "kleinen" Seite der Kirche je ein Mensch vorbei kam war fraglich. Ich schickte ein Stoßgebet nach dem anderen zum Himmel, und tatsächlich: ich hörte Schritte. Pole oder Deutscher? Egal, ich schrie um Hilfe. Die Küsterin entschuldigte sich vielmals, aber die Angst verfolgte mich noch lange. Nun, nach 57 Jahren war ich wieder einmal in der Kirche eingesperrt, und zwar in der Toilette der Kreuzkirche in Nievenheim. Das Türschloss bzw. der Riegel an der Tür hatte sich verklemmt, ich saß in der Falle. Alles Rütteln und Rufen war vergeblich, es hörte mich niemand, obwohl nach dem Gospelkonzert anlässlich des Gemeindefestes viel Volk anwesend war. Glücklicherweise gab es ja ein Fenster, das sich gut öffnen ließ. Aber auch dort verhallten meine Rufe ungehört. Es gibt da eine hohe Hecke vor dem Fenster und dahinter stand auch noch der Kirchenbus. Es war mir zu riskant, aus dem Fenster zu springen. Ich rüttelte noch einmal an der Tür. Mein Herz klopfte, mein Mund war trocken - da öffnete sich die Tür wie von Geisterhand. EINER hatte mich gehört! Gott sei Dank!! |
|||||